aktualisiert am 12. Januar 2019 | erstellt im Juli 2017

 

Folgezustände nach operativer Tumortherapie

Die chirurgisch-onkologische Therapie stellt bei einer Vielzahl von Tumoren des Gastrointestinaltrakts die zentrale Säule für die potenziell kurative Therapie dar. Die anatomisch-funktionellen Folgen des operativen Eingriffs und die Nebenwirkungen der multimodalen Therapie bedingen organspezifische bzw. tumorspezifische Folgezustände. Je nach Lokalisation des Tumors, Ausmaß der Resektion bzw. Rekonstruktion und Wahl des operativen Vorgehens kann zwischen allgemeinen, organunspezifischen Folgezuständen (Verwachsungsbeschwerden, Narbenhernien etc.) und organspezifischen, postoperativen Funktionsstörungen (Maldigestion, Stuhlinkontinenz etc.) unterschieden werden.

Postoperative Komplikationen stellen einen weiteren wichtigen Kofaktor für belastende Folgezustände und damit eine weitere Herausforderung für die Krankheitsbewältigung durch die betroffenen Patienten dar.

Durch subtile Präparationstechnik und Vermeidung von strukturellen Schäden kann das Ausmaß der Folgezustände positiv beeinflusst werden. Die präoperative Aufklärung, eine frühzeitige postoperative Diagnostik und die Begleitung der Patienten sind für eine klinische Verbesserung und Verarbeitung bzw. den Umgang mit den Folgezuständen entscheidend.

Quelle | Springer Link-Gastroenterologie | Autor J. Gröne, M.E.Kreis | Artikel vom 21. April 2016

 

 

Vorderes Resektionssyndrom

Tumoroperationen im kleinen Becken können durch Präparation und Resektion unterschiedlich schwere Auswirkungen auf Kontinenz, Blasenentleerung und Sexualfunktion haben.
 

Alle Darmentleerungsstörungen, die nach tiefer vorderer Rektumresektion auftreten und die Lebensqualität beeinträchtigen, werden als vorderes Resektionssyndrom zusammengefasst. Übersetzt spricht man im Englischen vom „low anterior resection syndrome“, weshalb in der Literatur der Begriff LARS etabliert ist.
 

Material Kolorektale Karzinome gehören bei Frauen zu den zweithäufigsten und bei Männern zu den dritthäufigsten Tumoren. Um eine Heilung herbeizuführen, müssen diese reseziert oder je nach Stadium und Lokalisation auch mittels kombinierter Radio-Chemotherapie vorbehandelt werden. All diese Verfahren können die Kontinenz beeinflussen.
Prinzipiell sind für die Dichtigkeit des Anus folgende Bereiche verantwortlich, deren fehlerfreies Zusammenspiel gewährleistet sein muss:

 

– Die Ampulla recti als Reservoir
– Die Muskulatur des Beckenbodens – hier vor allem der Musculus sphinkter ani internus und externus
– Der extrinsische und intrinsische Nervenplexus

 

Eine Darmresektion im kleinen Becken kann auf alle oben genannten Bereiche Auswirkungen haben. Je tiefer (also näher dem Schließmuskel) die Tumorlokalisation ist, desto größer die zu erwartende Funktionseinbuße.

Befindet sich der Tumor im unteren Rektumdrittel, muss das gesamte Rektum bis zur Linea dentata entfernt werden. Dies führt zu einem Verlust des natürlichen Reservoirs, womit sich die rektale Kapazität reduziert. Das heißt, es kommt zum Stuhlverlust, sobald das Fassungsvermögen (das maximal tolerable Volumen, das gehalten werden kann) erreicht ist.
 

Sogar ultratiefe Tumoren, die den Musculus sphinkter ani internus im oberen Anteil infiltrieren, können sphinktererhaltend operiert werden. Wird dieser für den Ruhedruck verantwortliche Muskel im Rahmen einer intersphinktären Resektion teilweise entfernt oder wird er bei der Anastomosierung durch Staplerklammern direkt geschädigt, sinkt der Ruhedruck und es kommt zur passiven Inkontinenz.
 

Der Musculus sphinkter ani externus wird bei einer tiefen vorderen Resektion zwar nicht morphologisch geschädigt, aber es kann im Rahmen der Präparation die Innervation des intramuralen Plexus gestört werden. In diesem Fall resultieren imperativer Stuhldrang und konsekutive Inkontinenz.
Die Operation kann weiters das autonome Nervensystem in und um die Darmwand beeinflussen. Die Peristaltik der deszendierenden Darmwand nach Resektion ist nachgewiesenermaßen beeinträchtigt. Noch nicht restlos geklärt, aber wahrscheinlich auch auf die gestörte Innervation zurückzuführen, ist eine spastische Wellenperistaltik und somit Dysfunktion des Neorektums.

 

Einleitung

Neben diesen durch die Resektion direkt verursachten Gründen kann eine ergänzende Bestrahlung oder Chemotherapie eine Inkontinenz ebenfalls verursachen oder verschlechtern:

Die Bestrahlung kann dauerhafte Schäden an der Muskulatur hinterlassen. Chemotherapeutika können sich auf die Stuhlkonsistenz und -frequenz auswirken und somit indirekt die Kontinenz beeinflussen.
 

Ergebnisse

Die allermeisten Patienten leiden nach erfolgreicher Behandlung eines Rektumkarzinoms an einem vorderen Resektionssyndrom.

Die wichtigsten Symptome und deren Häufigkeit sind:
 

Stuhlinkontinenz: 6–87 %
Dranginkontinenz: 5–87 %
Häufige Stuhlfrequenz: 8–75 %
 

Dies sollte bereits in der präoperativen Aufklärung Thema sein.
 

Intraoperativ muss vom Chirurgen bei aller onkologischer Radikalität auf richtige Schichtfindung und Nervenschonung geachtet werden.
In der postoperativen Betreuung des Patienten sollten das funktionelle Outcome und somit die Lebensqualität des Patienten eine ebenso große Rolle spielen wie das onkologische Outcome.

 

Weiterführende Literatur:
Emmertsen KJ, Laurberg S. Low anterior resection syndrome score: development and
validation of a symptom based scoring system for bowel dysfunction after low anterior
resection for rectal cancer. Ann Surg 2012; 255: 922–8.
Juul T, Ahlberg M, Biondo S, et al. Low anterior resection syndrome and quality of life:
an international multicenter study. Dis Colon Rectum 2014; 57: 585–91.
Pucciani F. A review on functional results of sphincter-saving surgery for rectal cancer:
the anterior resection syndrome. Updates Surg 2013; 65: 257–63.


Pathophysiologie der Inkontinenz nach Tumortherapie – Sicht der Urologie
K. D. Sievert
Universitätsklinik für Urologie und Andrologie, Landeskrankenhaus Salzburg

 

Quelle | 25. Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich
2.–3. Oktober 2015, LFI Oberösterreich, Linz | Abstracts von Vorträgen

FREITAG, 2. OKTOBER 2015
 Pathophysiologie der Inkontinenz nach
Tumortherapie
Pathophysiologie der Inkontinenz nach Tumortherapie – Sicht der Chirurgie
I. Haunold Chirurgische Abteilung, KH der Barmherzigen Schwestern Wien

 

 

weiterführende Links

Kontinenzprobleme und Darmfunktionsstörungen nach kolorektalen Resektionen

aus dem Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen

Volltext (PDF) als kostenloser Download

Quelle |www.kup.at

 

Anteriores Resektionssyndrom und Lebensqualität bei Rektumkarzinompatienten

Prof. Dr. C.-T. Germer, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Kinderchirurgie, Universitätsklinikum Würzburg

In diesem Beitrag wird abschließend erläutert, dass therapeutische Bemühungen (auch weiterhin), nicht nur auf onkologische, sondern auch auf funktionelle Ergebnisse der Operation ausgerichtet sein sollten.

Quelle | paperity.org

 

BETROFFENEN-INFORMATIONSPORTAL  |  Stuhlinkontinenz

Quelle | Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich - MKÖ

 

 

 


© 2019  Stoma-Rückverlagerung nach Darmkrebs     |     Impressum | Datenschutz

 

Nach oben